Die Sammlung historischer Werbeschilder aus Blech und Email:Emailschilder verbreiten nicht nur schlichte Werbebotschaften, sondern sie ermöglichen auch Interpretationen vergangener Lebenswelten. Die Informationen, die uns solche bildlichen Zeugnisse aus der Vergangenheit offenbaren, sind vielfältig und reichen vom Alltagsleben und den jeweiligen Konsumgewohnheiten bis hin zu technischen Neuerungen und Veränderungen unserer Wertvorstellungen. Das Mannheimer Landesmuseum für Technik und Arbeit gehört zu den wenigen öffentlichen Kultureinrichtungen, die systematisch Reklameschilder aus Blech oder Email gesammelt haben. Die hier präsentierte Auswahl, nach zehn Sachgruppen geordnet, bietet einen Überblick über alle Facetten der Sammlung.
Emailschild NSU Wankel aus den 1960er Jahren. Mit solchen Schildern waren die NSU-Händler und Werkstätten ausgestattet, die den NSU Spider oder den NSU Ro 80 mit Wankels Kreiskolbenmotor verkauften. Eines dieser Schilder gelangte auch in den Besitz Wankels.
Ende des 19. Jahrhunderts kommen mit farbigem Glas beschichtete, wetterbeständige Reklameschilder aus Blech auf. Ihrer massenhaften Verbreitung verdanken sie den Namen "Blechpest". Bald gibt es sie auch als Hinweisschilder. Dieses ermahnt Besucher öffentlicher Toiletten, sich bereits vor deren Verlassen wieder ordentlich zu bekleiden.
Emailschild vom Typus "Gebots bzw. Verbotsschild". Grundfarbe weiß, darauf in schwarzer Schrift: "Wasch- und Umkleideraum für Fremdarbeiter. Zutritt für Werksangehörige nicht gestattet". Das während der NS-Zeit produzierte Schild wurde bis 1994 benutzt.
Bier gehörte in Deutschland lange Zeit zu jenen Produkten, deren Absatz vor allem auf einen lokalen Markt ausgerichtet war. Werbestrategien zur Durchsetzung einer nationalen oder gar internationalen Biermarke wären angesichts tausender kleiner Brauereien, deren Existenz von der Behauptung ihres lokalen Einflusses abhing, als absurd erschienen. Um diesen Einfluß - auch in Konkurrenz zu den Herstellern anderer Getränke - fest zu verwurzeln, griff man in der Werbung in vielfältiger Weise auf Motive oder Namensbezeichnungen zurück, die an das Heimatgefühl appellierten. Zu jenen positiven Assoziationen, die sich mit dem Begriff der "Heimat" verbanden, sollte demnach wie selbstverständlich eine bestimmte Brauerei gehören, oder anders: Mit dem Genuß gerade ihres Bieres würde sich das Wohlgefühl potenzieren, da man mit jedem Schluck nicht nur den Genuß des Bieres an sich, sondern auch die Segnungen der Heimat verspürte. So fänden in letzter Konsequenz Leib und Seele einen Zustand vollkommener Harmonie. Wichtig bei dieser Strategie war, ein charakteristisches Symbol der jeweiligen Heimat auszuwählen. So gehört denn auch der steile Bergkegel der Achalm (707 m) seit alters her zu den prägenden Elementen der Schwäbischen Alb um Reutlingen und Eningen. Hier entstand um 1050 die Burg eines bedeutenden Hochadelsgeschlechts, der Grafen von Achalm, Gründer des Klosters Zwiefalten. Im 13. Jahrhundert spielte sie als Reichsburg des Kaisers Friedrich II. eine wichtige Rolle. Es ist wohl das Bild dieses Kaisers, das wie imaginär über der gewaltigen Wehranlage schwebt, deren Formen gleichfalls der Phantasie entsprungen sind. Doch die Realität ist nicht das Wichtigste: Geschaffen wird der Stolz auf die heimische Landschaft und das Bier, das sie hervorbrachte.
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Aetz- und Emaillierwerk C. Robert Dold <Offenburg>